Die Vernehmlassung zur FINIG-Revision ist abgeschlossen.

Warum gute Regulierung oft an der Umsetzung scheitert – und was jetzt entscheidend ist

FINIG Vernehmlassung 2026: Die wichtigsten Erkenntnisse

Mit dem Ablauf der Vernehmlassungsfrist am 6. Februar 2026 ist die formelle Konsultationsphase zur FINIG-Revision abgeschlossen. Die Rückmeldungen aus 3 Wirtschaft, Branche, Politik und Aufsicht zeichnen ein klares Bild und legen zugleich einen grundlegenden Zielkonflikt offen.

Fast alle Akteure teilen dieselben Grundsätze: Regulierung soll Rechtssicherheit schaffen, Risiken adressieren und den Finanzplatz Schweiz stärken. Und dennoch besteht die reale Gefahr, dass genau das Gegenteil eintritt. Nicht
wegen der Idee der Regulierung, sondern wegen ihrer Umsetzung.

Breiter Konsens über das Ziel, tiefe Uneinigkeit über den Weg

Die Stellungnahmen lassen sich grob wie folgt zusammenfassen:

  • Die Wirtschaft warnt vor Überregulierung, langen Bewilligungsverfahren und
    einem Swiss Finish.
  • Die Krypto-Industrie fordert passgenaue, technologisch informierte Regeln statt
    Bankenlogik.
  • Politik und Verwaltung priorisieren Integrität, Reputation und
    Geldwäschereibekämpfung.
  • Die Aufsicht setzt konsequent auf Kontrolle, Risikominimierung und Vorsicht.

Alle diese Perspektiven sind legitim. Alle adressieren reale Risiken. Aus unserer Sicht entsteht das Problem dort, wo diese Perspektiven nicht operationalisiert werden.

Proportionalität ist kein Prinzip, sondern ein Bauplan

In fast jeder Stellungnahme taucht das Wort Proportionalität auf. In der Praxis bleibt jedoch oft offen, was damit konkret gemeint ist.

Proportionalität entscheidet sich nicht:

  • im Gesetzestext,
  • in der Botschaft,
  • oder in allgemeinen Aufsichtsgrundsätzen.

Sie entscheidet sich in sehr konkreten Fragen:

  • Welche Governance-Strukturen sind für welches Risikoprofil notwendig?
  • Welche Funktionen müssen intern verankert sein und welche können pragmatisch organisiert werden?
  • Wie wird zwischen Geschäftsmodellen, Tätigkeiten und Systemrelevanz differenziert?

Ohne klare Antworten entstehen pauschale Anforderungen. Und pauschale Anforderungen führen leider zu oft zu Überregulierung.

Bewilligung ist nicht das Ziel, sondern der Startpunkt

In der aktuellen Diskussion ist aus Sicht velaw ein zentrales Missverständnis, dass die Bewilligung als Endpunkt betrachtet wird.

Doch wie immer ist dies in der Praxis lediglich der Anfang. Die eigentlichen Herausforderungen beginnen:

  • im laufenden Betrieb,
  • bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells,
  • bei Prüfungen, Anpassungen und internationaler Expansion.

Wenn Bewilligungsanforderungen nicht mit Blick auf den späteren Betrieb konzipiert werden, entstehen Strukturen, die:

  • teuer sind,
  • wenig Mehrwert bringen,
  • und schwer skalierbar sind.

Das schwächt nicht nur einzelne Institute, sondern den gesamten Standort.

Technologie lässt sich nicht abstrakt regulieren

Krypto- und DLT-basierte Geschäftsmodelle sind keine Variante klassischer Finanzprodukte. Custody, Wallet-Strukturen, Token-Flows oder Stablecoin-Mechaniken folgen eigenen technischen Logiken.

Regulierung, die diese Logiken nicht versteht, produziert zwangsläufig:

  • Overengineering,
  • falsche Anreize,
  • und neue Risiken statt weniger.

Technologieneutralität darf nicht mit Technologieignoranz verwechselt werden. Wer Risiken adressieren will, muss die Technik verstehen, die sie erzeugt.

FINIG & MiCA: Internationale Anschlussfähigkeit entsteht im Detail

Die Anschlussfähigkeit an internationale Regime wie MiCA (Markets in Crypto-Assets) wird oft beschworen. Entscheidend ist jedoch nicht der politische Wille, sondern die konkrete Ausgestaltung.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich in:

  • Definitionen,
  • Prozessen,
  • Aufsichtspraxis,
  • und der Dauer sowie Planbarkeit von Bewilligungsverfahren.

Ein regulatorischer Rahmen kann formal kompatibel sein und faktisch dennoch abschreckend wirken.

FINIG Revision: Unser Fazit bei velaw

Die FINIG-Revision ist eine Chance für den Finanzplatz Schweiz. Aber nur, wenn Regulierung nicht nur gut gemeint, sondern operativ umsetzbar ist.

Der grösste Risikotreiber ist nicht mangelnde Regulierung. Es ist Regulierung ohne klare Betriebslogik. Was es jetzt braucht:

  • echte risikobasierte Differenzierung,
  • Bewilligungsprozesse mit Struktur, Transparenz und Verlässlichkeit,
  • und eine Regulierung, die Technologie versteht statt abstrahiert.

Zwischen Gesetzgeber, Aufsicht und Markt braucht es keine weiteren Grundsatzdebatten. Es braucht Übersetzung, Erfahrung und Umsetzungskompetenz.

Denn Regulierung entscheidet sich nicht im Gesetzblatt.

Sondern im Alltag der Institute.

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